Herbstzug im Allgäu

 

 

Anfang November beförderte ein umfangreiches Hoch über Mittel- und Südosteuropa sonniges und trockenes Herbstwetter ins Allgäu. Ein leichter Südostwind, sehr milde Temperaturen und täglich bis sieben Stunden Sonnenschein, boten perfekte Verhältnisse für Zugvögel entlang des Nord-Alpen-Korridors. Unter anderen, nutzten Buchfinke, Feldlerchen, Kraniche, Stare, Wacholder- und Rotdrosseln die Wetterlage. Am 7. November, bei bestem Zugwetter, steuerten wir das Apfeltranger-Moos an. Dort, weil ziehende Kraniche das Nahrungsangebot sowie die Sicherheit der offenen Landschaft beim Übernachten schätzen. Das Auto wurde neben einem Fahrsilo abgestellt, wo im April eine Turteltaube mich verzauberte; die Vorzeichen also stimmten.  Ein Schwenk mit dem Fernglas über das Moos ließ keine Kraniche erkennen. Aber der Tag war noch jung. Zwei Minuten später als ich die Kameraeinstellungen kontrollierte, rief meine Frau „Kraniche!!“.  Eine kleine lautrufende Gruppe in ca. 50 m Höhe flog direkt auf uns zu. Konfrontiert mit der verringernden Entfernung, der Fluggeschwindigkeit und dem starken Gegenlicht, bleibt dem Fotografen nur das Komponieren und Auslösen. Hoffentlich funktioniert der Autofokus! Manchmal hat man Glück. Nicht ganz, ein Nachzügler fehlte.

Kurz danach konnte eine kleine Schar Stare und auf einem Maisstoppelfeld dutzende Feldlerchen beobachtet werden. Aber die Krönung gehörte den Kranichen. Auf dem Rückweg zog eine V-Formation mit 34 Individuen hoch über uns gen Sattlersbuckl westlich von Apfeltrang, just dort wo Investoren 11 Windkraftanlagen geplant hatten und seltene Schwarzstörche im Frühjahr brüten. Übrigens, beide Arten bevorzugen ähnliche Winterquartiere. Kranich-Überwinterungsgebiete stellen die Extremadura und Andalusien sowie etwa 58 weitere Plätze dar. Ein kleiner Teil der Population zieht noch weiter bis Nordafrika. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird Frankreich auch zur Überwinterung intensiv genutzt. (Wikipedia).

Colin MacKenzie   7.11.2020

                     Pflegeeinsatz im Gillenmoos

 

             Azubis der Firma Technozell aus Günzach sind 

 gemeinsam mit dem LBV aktiv für den Natur- und Klimaschutz

 

Bei herbstlichem Wetter verabschiedeten sich 4 Auszubildende der Firma Schoeller Technocell GmbH aus Günzach am 28. Oktober 2020 zusammen mit Ihren Ausbildern Christian Riedelsberger und Sebastian Häring für einen Tag von ihrem Arbeitsalltag und unterstützten tatkräftig draußen in der Natur den LBV.

Zwei Flächen im Gillenmoos in der Nähe von Günzach, welche von der Kreisgruppe Ostallgäu-Kaufbeuren des Landesbund für Vogelschutz (LBV) betreut werden, sind als kalkiges Niedermoor Lebensräume für seltene Vögel, Libellen, Schmetterlinge und Orchideen. Aktive Moore tragen zudem einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz bei, da sie Kohlendioxid speichern. Durch regelmäßiges Mähen der Wiesen und die Entfernung des Mähguts werden sie behutsam und extensiv bewirtschaftet. Somit wird eine Verbuschung verhindert und der Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten erhalten.

Unter fachkundiger Anleitung des Ehrenamtlichen des LBV Johann Köpf trugen die jungen Leute im Gillenmoos Mähgut zum Abtransport zusammen. „Der Einsatz ist eine tolle Abwechslung zu unserem Arbeitsalltag und eine gute Möglichkeit für die Auszubildenden, mal in die Natur zu kommen und dort Interessantes zu lernen“, meint Ausbilder Herr Riedelsberger dazu. Auch Johann Köpf freut sich über den tatkräftigen Einsatz der Auszubildenden: “Die Arbeit ist uns eine große Hilfe beim Erhalt des Lebensraumes für zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen sowie dem Klimaschutz, herzlichen Dank!“

Bericht: Dr. Lena Heuß, Ehrenamtsmanagement für den LBV in Schwaben, 

E-Mail: lena.heuss@lbv.de, Tel.: 08331 / 96677-14

Wahl zum Vogel des Jahres 2021

 

Liebe schwäbischen LBV-Freunde

 

Die meisten haben bestimmt schon mitbekommen, dass im nächsten Jahr der Vogel des Jahres gewählt wird und zwar von jedem, der mitmachen will.

Außerdem kann man Wahlkampf-Teams für seinen Lieblingsvogel gründen und für Stimmen werben.

 

Das schwabenweite LBV-Team macht sich für die Mehlschwalbe stark und hat einen Wahl-Vorschlag gestartet..

Jeder von Ihnen ist eingeladen, für die Mehlschwalbe Stimmen zu sammeln oder sich auch anders im Team zu beteiligen.

Hier im folgenden Link kann direkt für die Mehlschwalbe abgestimmt werden.

weiter zur Wahl

Brutzeit

Brütende Singvögel verraten ihre Nestplätze wenn sie mit Nahrung zu der Brut zurückkehren und kurz bevor sie ins Gestrüpp verschwinden, Ausschau nach Feind und Mensch halten. Vogelbeobachtern mit ausgeprägter Geduld und schnellen Reaktionen mit der Kamera, gelangen Bilder der neuen Generation, sobald diese auf Entdeckungsreise gehen. Da die putzigen Kerlchen noch nicht scheu sind, halten sie länger still und bieten damit mehr Zeit für die Bildkomposition. Diese zwei Aufnahmen stammen vom Juni/Juli 2020 und zeigen 2 Neuntöter-Ästlinge und einen gerade flugfähigen Hausrotschwanz.
Colin MacKenzie 24.07.2020

Ergänzung zu „Highlight Murnauer Moos“

 

Nachdem ich die Exkursion des letzten Jahres in bester Erinnerung hatte, lockte es mich heuer wieder in dieses Naturparadies. Ornithologische Highlights waren dabei einige Karmingimpel und die Bruthöhle eines Wendehalses.

Mein besonderes Interesse galt aber auch der Botanik und dort speziell den Orchideen. Der besondere „Kracher des Tages“ war darum das gerade frisch aufgeblühte Strohgelbe Knabenkraut (Dactylorhiza ochroleuca). Es wächst teils höchst reizvoll zusammen mit dem Fleischfarbenen Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), stellt aber höhere Ansprüche an den Nässe- und Kalkgehalt. Dass ich nun den Anblick einiger hundert Exemplare dieser seltenen und stark gefährdeten Pflanzen genießen konnte, machte mich einfach nur glücklich.

Prächtige Fotomotive lieferten auch die zahlreichen Blauen Schwertlilien (Iris sibirica).

 

Sabine Mändler  29.05.2020

Highlight Murnauer Moos

 

Nach der so erfolgreichen Excursion 2019 im Murnauer Moos hatte ich ja für dieses Jahr eine gekürzte Version zu der Schlüsselstelle angesetzt. Nun machte uns leider Corona einen Strich durch die Rechnung. Bei Hochfrühlingswetter machte ich nun am 22. Mai, allein mit meiner Frau, diese leichte Wanderung trotzdem. Dabei wurden mir alle meine angekündigten Wünsche erfüllt. Auf dem Weg zum Ziel konnte ich mich bereits über die Rufe von Wendehals und Wachtelkönig erfreuen. Und am Ziel erwartete mich, fast an gleicher Stelle wie 2019, Familie Weißrückenspecht. Die Altvögel waren emsig am füttern ihres fast flüggen Nachwuchses. Dass, wie auf den Bildern zu sehen, beide Geschlechter schon klar zu erkennen waren, war eine zusätzliche Freude. Mein Entschluss, diese Führung wie geplant 2021 neu anzusetzen, findet doch sicher Zustimmung?

 

Peter Griegel 24. Mai 2020

 

 

Thorshühnchen

 

Seit Jahren besuche ich regelmäßig die Ostallgäuer Flüsse samt Stauseen, zu verschiedenen Tageszeiten, je nach Saison mehr oder weniger. Es lohnt sich immer genügend Zeit einzuplanen, damit man nichts verpasst.  So ging es mir am 12. Mai 2020 in der Abenddämmerung am Wertachstausee Schlingen, als ich mich entschied, doch noch einen letzten Beobachtungsplatz aufzusuchen. Ein Schnellscan mit dem Fernglas brachte nichts Außergewöhnliches bis auf einen winzigen Wasservogel, der für mich ein Rätsel darstellte. Schnell wurde mein Spektiv aufgestellt, gerade rechtzeitig da er kurz aufflog und helle zackige Flügelbänder und dunkle Beine zeigte. Nun hatte ich ein Komplettbild und dachte, er gehört zur Gattung der Wassertreter  -  immer herumschwimmend, schnepfenartiges Rückenmuster, schwarzer Scheitel, weißes Gesicht, feiner gelber Schnabel, rostbraune Brust. Was meint die Vogelliteratur dazu? Thorshühnchen Weibchen im Brutkleid! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ein Irrgast auf dem Zug von seinem Winterquartier in den planktonreichen Meeren vor den Küsten Westafrikas zu seinen Brutgebieten in den westlichen Paläarktis. Meine Aufnahmen dienen gerade als Belegfotos, deshalb dieses Bild von Wolfgang Lorenz aus dem LBV-Bildarchiv.

Colin MacKenzie

 

Erste Beobachtungen 2020 an beginnender Brutsaison

04.April 2020.

Ein Jammer. Eigentlich sollten jetzt die ersten Veranstaltungen und Führungen starten. Aber nun macht uns Corona einen kräftigen Strich durch Rechnung. Als Ersatz versuche ich nun, sie mit meinen, und hoffentlich auch mit Beobachtungen anderer Vogelfreunde, zu erfreuen und neugierig zu machen:        

 

Bericht Nr. 1                                                                                                                                               

Jetzt, Anfang April, ist der Vogelzug, auch der Teilzieher, voll angelaufen.  Gestern, am Forggensee, konnte ich, ohne lange zu suchen, mit viel Freude folgende Arten entdecken:

ca. 5 Ex. Bergpieper, 2 Ex. Wiesenpieper, 2 Ex. Waldwasserläufer., Mit Foto: 2 Stck (1 Paar), 4 Stck Knäkenten (2 Paar), 2 Ex. Fußregenpfeifer. 

 

Nachtrag 1, 5. April:

An gleicher Stelle: 1 Ex. Rohrammer, 1 Ex. Waldwasserläufer, 2 Ex. Knäkenten, 1 Ex. Grünschenkel, im Anflug wie üblich laut rufend, 3 Ex. Bergpieper.

 

Nachtrag 2, 6. April: 

Kiesgrube Jengen: Etwas weit weg ab Füssen, aber einfach immer lohnend. 1 Ex. Teichhuhn, 2 Stck Rohrammern, 7 Stck Rotschenkel?, 1 Stck Alpenstrandläufer, 4 Stck Flußregenpfeifer, mind. 4 Stck Kiebitz, mind. 60 Stck Graugänse, davon mehrere brütend und Junge führend. Interessant das Fluchtverhalten der Vögel. Die in der Nähe der Vögel sehr laut arbeitenden Bagger und Lastwagen wurden von den Vögeln ignoriert. Als ich, noch relativ weit weg, mein Stativ augbaute war plötzlich Flucht angesagt. Dies bestätigt die Masterarbeit von Matthias Bull. Er hat festgestellt, dass Vögel explizit das Paddel der Vögel als Waffe wahrnehmen. Ein Spektiv-Stativ ähnelt diesem Paddel.

 

Nachtrag 3, 10. April

Vor einem Jahr wurden mir, unter der Bedingung den Brutplatz nicht zu verraten,  brütende Kiebitze im Füssener Land gemeldet, nun nach fast 4 Jahrzehnten Pause. Gestern wollte ich prüfen, ob das auch dieses Jahr erfolgt. Bevor ich meine Technik aufgebaut hatte, erfolgte direkt vor mir der akrobatische Balzflug der Vögel. Kurz darauf konnte ich das Ritual der Formung einer Nestkuhle beobachten. 

Zusätzlich landete auf einen dürren Zweig, in max. 50 m. Entfernung, ein so farbenfreudiges Schwarzkehlchen Männchen. Siehe Bild. Laut Brutvogelatlas gibt es gerade mal 500 Brutpaaren in Bayern, das ist doch sehr positiv.

 

Nachtrag 4, 11. April, Forggensee: 

Das momentan so milde Wetter scheint gerade überdurchnittlich viele Limikolen auf ihrer Reise aus dem Süden an den Forggensee zu führen. So konnte ich gestern beobachten; 1 Uferschnepfe, 1 Stelzenläufer, 1 Grünschenkel, ca. 10 Kampfläufer, vermischt mit Bruchwasserläufern, viele Berg- und Wiesenpieper und ca. 20 Knäkenten.

 

Nachtrag 5, 13. April, Brunner Bucht

In dem dort wie immer günstigen "Süßwasserwatt" : ca. 10 Ex. Bergpieper, min. 20 Bachstelzen, 2 Ex. Flussregenpfeifer, ca. 15 Ex. Krickenten, ca. 4 Ex. Knäckenten, 6 Ex. Bekassinen

 

Nachtrag 6, 13. April

Von Richard Wismath wurde mir ohne Gebietsangabe gemeldet: 1 Heckenbraunelle, 1 Rötelmaus

 

Nachtrag  7,  6. Mai.   
Forggen- und Hopfensee.  Jetzt, am Höhepunkt des Vogelfluges, gibt es fast jeden Tag eine schöne Entdeckung. Z. B. : Ein Schwarm, ca. 30 Stck Wiesen- und Thunbergstelzen gemischt. 2 Stck Rohrschwirle und Rohrammern.

Die Bilder zeigen eine Rohrammer und Schafstelzen.

Nachtrag 8 , 15. Mai

 Hopfensee. Nach Jahren der Abwesenheit dürfen wir uns dieses Jahr wieder über die Anwesenheit von min. 2 singenden Rohrschwirls erfreuen. Seit einigen Tagen hat sich an gleicher Stelle offensichtlich ein Schwarzkehlchen eingerichtet. Siehe Bild. Noch bin ich mir nicht sicher, aber ich glaube fast, ein Weibchen gesehen zu haben.

Schwarzkehlchen
Schwarzkehlchen

Nachtrag 9,  5. Juni

 

Fast hätte ich meinen Zufallstreffer übersehen. Am 30. April hingen am Hopfensee wegen Schlechtwetter hunderte Schwalben fest. Sie rasteten auf Bäumen und Büschen. Bei meinem heutigen sortieren meiner Bilderflut entdeckte ich, was mir da mit viel Glück gelungen ist. Auf einem Bild Ufer-Mehl-und Rauchschwalbe.

Nachtrag Nr. 10,  12. Juni

 

Unter den wegen Corona ausgefallenen Führungen befand sich unter dem Thema "Gelbspötter"auch jene an der Mühlberger Ache am 6. Juni. Aus Neugier ging ich diese kurze Strecke ganz allein ab, mit überragenden Erfolg. Noch im Auto sitzend hörte ich direkt neben mir einen lauthals singenden Gelbspötter, den Gesang der Mönchsgrasmücke imitierend. Nicht lang danach begann, keine 100 m. entfernt, eine Singdrossel ihr Lied. Aber irgend etwas stimmte da nicht. Ich versuchte, von den beiden Vögeln ein Foto zu machen. Dies mehrere Tage. Ihre Tarnfarbe und das dichte Laub verhinderte dies. Gestern morgen nun, mit der Hilfe von strahlender Morgensonne, gelangen mir die beigefügten Bilder. Und siehe da, die Singdrossel entpuppte sich ebenfalls als Gelbspötter. Also zwei Spötter ( Imitator/Nachahmer ) in Vollendung.

 

Peter Griegel

Nachtrag 11,  5. Juli 2020. 

 

Eigentlich ist der Grauschnäpper überhaupt nicht selten. Aber die wenisten Naturfreunde kennen ihn. Schuld ist sein leiser, unauffälliger Gesang.Das ändert sich nur, wenn er seine Jungen versorgt. Dann schimpft er lauthals bei jeder noch so kleinen Störung. Und Schuld ist natürlich auch seine tatsächlich unspektakuläre Färbung. Dafür ist seine Jagdtechnik eine Augenweide. Der Ansitzjäger fängt Insekten in Form einer wahren Flugchow. Selbst den Schwirrflug, a la Kolibri, hat er im Programm. Dies alles beobachtet in meinem Garten

 

Peter Griegel